Stockbrot in Thailand

Im Ernst? Folgt jetzt ein traditionelles thailändisches Rezept für Stockbrot? Mitnichten. Doch spätestens nach ein paar Wochen wächst für den Farang in Thailand der Appetit auf ein einfaches Stück Brot ins schier Unerträgliche.

Da wir nicht erwartet hatten, in der Stadt Nakhon Sawan oder ihrer eher ländlichen Umgebung problemlos alle Zutaten für ein akzeptables Brot einkaufen zu können, glaubten wir uns gut vorbereitet zu haben. Mit einem Zehnerpack Trockenhefe im Gepäck. Und einer kleinen Flasche Olivenöl. Und einer Dose italienischer Trockenkräuter.

Aus früheren Besuchen in Thailand wussten wir, dass Weizenmehl mittlerweile leicht zu beschaffen ist. Aber auch Olivenöl gibt es heute (Vorsicht teuer!) – und Pasta in vielen Variationen. Offenbar ist die italienische Küche in Thailand ganz groß im Kommen. Aber einen Backofen konnten wir im Dorf nirgendwo auftreiben. Doch ohne Backofen kein richtiges Brot, keine Pizza oder Pizzabrötchen. Es gab nur eine Lösung:

Stockbrot über einer traditionellen thailändischen Feuerstelle.
Dem Anfeuern der traditionellen Feuerstelle für Stockbrot mit Kokosfasern folgt konventionelle Holzkohle.
Dem Anfeuern der traditionellen Feuerstelle mit Kokosfasern folgt konventionelle Holzkohle.

Eine traditionelle Feuerstelle war schnell besorgt. Bambusstäbe konnten wir uns an unserem frisch erworbenen Sesamfeld selbst schlagen. Allerdings lieferten uns die ortsansässigen Ameisen im Bund mit zahllosen anderen Plagegeistern eine heftige Schlacht um die paar Bambusstäbe. Vielleicht fragen wir demnächst einen freundlichen Ameiseneiersammler, ob es da einen Trick gibt, leichter an den Ameisen vorbei zu kommen.

Das feuchtwarme Klima Thailands begünstigt nicht nur das Wachstum von Insekten & Co., sondern eignet sich auch wunderbar für die Herstellung von Hefeteig.

Die Hefe verrichtete also bei etwa 35 °C und mindestens 90 % Luftfeuchtigkeit locker ihr Werk. So konnten wir unter den staunenden Augen einiger Dorfbewohnerinnen sehr schnell eine große Menge Stockbrotteig erzeugen. Die große Menge war auch nötig, denn bald hatte sich herumgesprochen, dass es etwas Neues zu essen geben würde. Stockbrot hatte man im Dorf noch nie zuvor gesehen – auch keine Knoblauchbutter. Es musste schnell eine weitere Feuerstelle eingerichtet werden.

Mit dem Andrang auf Stockbrot konnte niemand rechnen. Eine zweite Feuerstelle musste her.
Mit dem Andrang konnte niemand rechnen. Eine zweite Feuerstelle musste her.

Bald zeigte sich vereinzelt Expertentum für die richtige Wickeltechnik. Auch eine Stockbrothalterung für den bequemen Stockbrotbäcker war schnell improvisiert.

Leider haben wir selbst fast nichts von unserem Stockbrot abbekommen, aber wir freuen uns, dass es allen geschmeckt hat. Das war offensichtlich. Und wir werden das Gefühl nicht los, dass wir beim nächsten Mal auch wieder dran sind. Wie schön. Traditionen sind da, um begründet zu werden!

Der Stockbrotteig ist aufgebraucht. Zum Glück gibt es noch Schinkenspeck am Spieß.
Der Stockbrotteig ist aufgebraucht. Zum Glück gibt es noch Schinkenspeck am Spieß.

Stockbrot mit Knoblauchbutter

Zutaten für etwa 20 Portionen

für die Knoblauchbutter
  • 500 g Butter
  • 20 Knoblauchzehen
  • Salz

Zubereitung

  1. Mehl in eine große Schüssel kegelförmig ausschütten. In die Spitze des Kegels eine kleine Vertiefung drücken.
  2. In der Vertiefung aus der Hefe, einer Handvoll Mehl und etwas Wasser einen Vorteig mischen. Mit Mehl abdecken und etwa ½ Stunde gären lassen. (Die Schüssel abgedeckt ziemlich hoch stellen, damit die Ameisen nicht sofort alles fort tragen.)
  3. Salz und nach Belieben italienische Kräuter zugeben, nach und nach Wasser zugeben und einen Teig kneten. Der Teig hat die richtige Konsistenz, wenn er nicht mehr an der Schüssel und nicht mehr an den Händen kleben bleibt.
  4. Den Teig zu einer Kugel formen, gut mit dem Olivenöl einölen und abgedeckt ca. 1-2 Stunden bei Raumtemperatur (hier: 35 °C) gehen lassen, bis sich das Volumen etwa vervierfacht hat.
  5. Noch einmal vorsichtig durchkneten und dabei mit etwas Mehl das Olivenöl einarbeiten.
  6. Den Teig portionsweise zu Teigschlangen formen, um geeignete Bambusstäbe wickeln und über offenem Holzkohlefeuer bis zur gewünschten Bräune backen.
Zubereitung der Knoblauchbutter
  1. Knoblauch schälen und mit etwas Salz im Mörser zerstampfen.
  2. Inzwischen die Butter bei Raumtemperatur weich werden lassen.
  3. Die weiche Butter und die Knoblauchpaste vermischen und im Kühlschrank wieder kalt werden lassen.

Guten Appetit!



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